Geschichte
Die Altöttinger Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Altötting, dem berühmtesten Marienwallfahrtsort Deutschlands. Sie gilt als letzte spätgotische dreischiffige Hallenkirche Süddeutschlands und entstand in einer Bauzeit von nur 12 Jahren von 1499-1511. Die feierliche Einweihung erfolgte im September 1511 durch Berthold Pürstinger, dem Bischof von Chiemsee.
Die Ursprünge der Stiftskirche reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Damals regierte König Karlmann (+880), ein Urenkel von Kaiser Karl dem Großen, von seiner Lieblingspfalz Ötting aus sein karolingisches Teilreich und gründete hier das erste Altöttinger Stift, für das er eine karololingische Basilika, errichten ließ.
Nach dem Untergang des Stiftes durch die Ungarneinfälle 907 diente Ötting weiterhin als Pfalz der Karolinger. Große geistliche Bedeutung erlangte das alte Ötting wieder im 13. Jahrhundert. Herzog Ludwig der Kelheimer aus dem Geschlecht der Wittelsbacher errichtete hier das zweite Stift, für das eine spätromanische Kirche entstand.
Nach dem Einsetzen der Wallfahrt nach Altötting um 1490 ermöglichten die zahlreichen Opfergaben der Pilger einen Umbau bzw. eine Erweiterung des romanischen Vorgängerbaus. Unter der Leitung der Baumeister Jörg Perger und Ulrich Häntler entstand ein repräsentatives Gotteshaus im Stil der Spätgotik. Aus dieser Zeit sind überregional bedeutsame Kunstwerke erhalten, u. a. das Nordportal und das Südportal vom Meister der Altöttinger Türen, das über drei Meter hohe Kruzifix aus dem Umkreis der Leinberger-Schule sowie das Epitaph von Stiftspropst Johannes Mayr. Ein nicht weg zu denkendes Inventar ist der „Tod von Eding“, eine Standuhr mit Skelett, die an die Pestzeit erinnert.



Während sich das Äußere der Altöttinger Stiftspfarrkirche im Laufe der fünf Jahrhunderte ihres Bestehens nur unwesentlich verändert hat, war die Innenausstattung einem steten Wandel unterworfen. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Umgestaltung im Stil des Klassizismus. Vor allem der neu geschaffene Hochaltar mit dem monumentalen Gemälde von Johann Jakob Dorner prägt heute noch das Bild des Gotteshauses.